Freitag, 13. April 2012

Ein Wahrzeichen für das Ruhrgebiet (Teil I)

zu: "Herkules" von Markus Lüpertz auf dem Nordsternturm in Gelsenkirchen
Mächtig thront er auf der ehemaligen Nordsternzeche in Gelsenkirchen. Der Herkules von Gelsenkirchen ist ein Riesenkerl aus mehreren Tonnen Aluminium, scheinbar lieblich bunt bemalt, doch zugleich arg zugerichtet. Der Künstler hat dem antiken Helden einfach mal die Keule abgesägt, den Arm amputiert und auch das Geschlechtsteil fehlt (abstrahiert oder vielleicht auch extra abgeschlagen)? Und trotz allem, wenn man den Koloss so betrachtet - schon von der Autobahn kann man ihn gut sehen -, sollte man meinen hier wollte jemand (Markus Lüpertz, THS Wohnen GmbH als Auftraggeber) ein neues Symbol schaffen. Warum sonst setzt man eine 18 Meter hohe Herkules-Skulptur auf einen Turm, weithin sichtbar und pressetauglich vermarktet im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 und als einer der sogenannten Hochpunkte des Ruhrgebiets?
Aber taugt der körperlich beeinträchtigte, lächerlich bunt bemalte Herkules zum Wahrzeichen? Herkules musste sieben Heldentaten vollbringen, bevor er - ein Mensch, kein Gott - in den Olymp aufstieg. Die Parallelen sind schnell gezogen, denn auch im Ruhrgebiet hat man etliche 'Heldentaten' vollbracht. Und nun, nachdem das Industriezeitalter vorbei und damit auch die Aufgabe der alten Helden beendet ist, könnte man den Lüpertzschen Herkules als einen vom Kampf und der Arbeit gezeichneten Helden betrachten.
Ein Wahrzeichen stelle ich mir aber anders vor: Positiv muss es sein und nicht in die Vergangenheit zeigen, sondern Mut machen für die Zukunft. Als Identifikationsfigur taugt Lüpertz' Herkules auch nicht: zu unnahbar, zu bunt bemalt, zu sehr griechischer Held. Denn: Was haben die Leute im Ruhrgebiet mit den alten Griechen am Hut? Also irgendwie ist da doch was schiefgelaufen mit dem "neuen Wahrzeichen" für das Ruhrgebiet.

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