Samstag, 4. Dezember 2010

Mehr Platz in der Kunstsammlung

zu: Die erste Ausstellung in der erweiterten Kunstsammlung NRW, K20


Ich bin kein Beuys-Fan. Deshalb ließ mich die aktuelle Ausstellung "Joseph Beuys. Parallelprozesse" (bis 16.01.2011) ziemlich kalt. Natürlich ist es beeindruckend, welch wichtige Arbeiten aus der ganzen Welt für die Düsseldorfer Schau zusammengetragen wurden, aber eigentlich ging es mir bei dem Besuch um den Anbau des Museums am Grabbeplatz - darum, wie er sich als Raum für eine erste große Wechselausstellung macht.


Nach einer zweijährigen Bauphase eröffnete die Kunstsammlung NRW im Juli 2010 ihre frisch renovierten und erweiterten Räume. Das Haus am Grabbeplatz - bekannt als K20 - erhielt einen 2.000 Quadratmeter großen Anbau: Die zweigeschossige stützenlose Halle mit rechteckigem Grundriss beheimatete nach der Eröffnung zunächst im Erdgeschoss eine tolle  - aus LKW-Reifenschläuchen bestehende - Deckeninstallation von Michael Sailstorfer  und im ersten Stock einen begehbaren "gestrandeten" Heißluftballon von Kris Martin. 


Eröffnungsabend: dinieren unter Michael Sailstorfers Arbeit "Clouds"
im oberen Geschoss des Neubaus: Kris Martins  "T.Y.F.F.S.H."

Für Beuys wurde umgebaut: Das untere, sehr hohe Geschoss des Neubaus hat massive, deckenhohe Wände bekommen, die den Raum strukturieren und im Beuys-Fall vielen Papierarbeiten Platz bieten.  Ein toller, vielseitiger, übersichtlicher Raum. Ins obere Geschoss der neuen Halle gelangt man  - begleitet durch eine Soundinstallation: den ächsenden und stöhnenden Beuys - über eine lange Treppe im hinteren Teil des Gebäudes. Diese Etage bietet eine geringere Deckenhöhe, dafür aber den edlen Holz-Bodenbelag, der sich auch durch die oberen Etagen des Altbaus zieht. Sie bietet einigen Installationen, die sich auf bestimmte Aktionen des Künstlers beziehen, großzügig Raum.

Neubau, Erdgeschoss
Neubau, obere Etage: "Honigpumpe am Arbeitsplatz", 1977

Der dritte Teil der Beuys-Ausstellung befindet sich im Erdgeschoss des Altbaus. Der Besucher muss also - um das letzte Drittel Beuys zu sehen - durch die Sammlung des Museums. Das ist schade. Schade für die Ausstellung, weil sie dadurch auseinander gerissen wird. Und schade für die wunderbare Sammlung, weil man ihr vielleicht nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkt - so auf der Durchreise. Dabei lohnen sich der neu eingerichtete Amerikaner-Saal und die großzügige Neuhängung (auch wenn man einige Werke der Sammlung schmerzlich vermisst)!


Die Frage, die sich nach dem Besuch unweigerlich stellt ist: Wie war das eigentlich vor dem Umbau, als es die zusätzlichen 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche nicht gab? Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass sowohl die Sammlung, als auch die Wechselausstellungen im Altbau untergebracht waren.
Mir ist erst jetzt aufgegangen, was für ein unglaublicher Gewinn der Anbau für die Kunstsammlung ist und ich bin mir sicher, dass noch viele sehenswerte Ausstellungen folgen - die dann auch meinen Geschmack wieder treffen!

Abb.: M. Sailstorfer und K. Martin von www.kunstsammlung.de. am 22.07.10, J. Beuys von http://www.kunstsammlung.de/entdecken/ausstellungen/joseph-beuys.html am 01.12.10.
alle Fotos: © VG Bild-Kunst, Bonn

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